Ein weiterer fundamentaler Aspekt unseres Glaubens ist das Thema Al-Walaa wal-Baraa. Wenn dieses Thema richtig verstanden wird, so wird man den Kafir (Ungläubige) vom Mu’min (Gläubigen) klar und deutlich unterscheiden können. Al-Walaa wal-Baraa setzt klare Prinzipien in Hinsicht auf Bündnisse, Unterstützung und Freundschaft gegenüber den Kuffar fest.
In der heutigen Realität ist Al Walaa wal-Baraa ein sehr missverstandener und vernachlässigter Teil des Glaubens einer Person. So leben wir in einer Welt, die von menschen-gemachten Gesetzen dominiert wird, angeführt von den Kuffar, die die Gesetzte ihrer Interessen und Gelüste nach formen und bestimmen; so müssen wir die Tatsache feststellen, dass Millionen von Muslime in den Länder der Kuffar wohnen und dort Wohnungen, Geschäfte und Familien haben, die den unislamischen Gesetzen, Systemen, Ideologien, Kulturen und Traditionen der Kuffar unterliegen.
Eines der üblichen Missverständnisse ist es, dass aufgrund dessen, das die Regierungen der westlichen Welt für unser „leibliches Wohl sorgen“ und uns erlauben in ihre Länder friedlich zu hausen, sprich Sozialhilfen erhalten, Dienstleistungen, weltliche Nutzen und Vorteile von ihnen erzielen können, Schutz und Sicherheit gemäß ihrer menschen-gemachte Gesetze erhalten etc. – wir zeigen uns infolgedessen ihnen gegenüber wohlwollend und behandeln sie mit Liebenswürdigkeit, was dazu führt dass der Glaube von Al-Walaa wal-Baraa immer mehr vernachlässigt wird und mit den Wertvorstellungen der Kuffar überschrieben wird, bis dieses Konzept komplett aus den Herzen der Muslime ausgelöscht wurde und die Muslime den Din der Kuffar angenommen haben.
Weiter noch sehen wir Folgen, die ein noch höheren Grad der Akzeptanz gegenüber der Kuffar zeigt, so dass Muslime Standpunkte innerhalb der Regierungen der Kuffar annehmen, ihre Standpunkte teilen und ihre Religion angenommen haben – daran glaubend, dass die Handlungen der Kuffar zu Gunsten der Muslime seien, so sind gewiss jene weit in die Irre gegangen und möge Allah der Erhabene vor solch toter Herzen bewahren und uns auf Seinem Din festigen.
Die Gründe hierbei sind auf die Vernachlässigung des Konzeptes Al-Walaa wal-Baraa zurückzuführen, was sogar dazu geführt hat, dass einige Muslime zu Abtrünnigen geworden sind, ohne es selbst zu wissen, in dem sie Grenzen überschritten haben und sich mit den Kuffar verbündet haben, in dem sie ihrer Religion folgen und sich auf ihre Gesetze berufen, Teilhabe an ihre Ideologien und Ideen haben, diese angenommen haben, verwirklichen und selbst unterstützen und verbreiten.
Al-Walaa wal-Baraa besteht aus zwei Aspekten: al Hubb (Liebe) und al-Bughoud (Hass) – beide müssen aufrichtig um den Willen Allahs (swt) geschehen. Al Hubb (Liebe) bedeutet um den Willen Allahs (swt) zu lieben – was im Übrigen auch als Muwalaat bekannt ist. Al-Muwalaat bedeutet: begleiten, lieben, unterstützen, verbünden, helfen, erbauen, respektieren und befreunden – all dies muss um den Willen Allahs (swt) in gewisser Weise, die Er (uns) befohlen hat, geschehen.
Al-Bughoud ist dahingegen Hass um den Willen Allahs (swt) zu haben und ist auch bekannt unter al-Muadaat, was das gänzliche Gegenstück zu Al-Muwalaat darstellt. Infolgedessen ist es für die Gläubigen erforderlich, muwalaat gegenüber den Muslimen zu haben und Muadaat gegenüber den Kuffar zu hegen – Allah (swt) zu lieben, den Gesandten (saw) zu lieben und die Muslime zu lieben, sowie Hass gegenüber die Kuffar zu empfinden; all das zu lieben, was Allah (swt) uns befiehlt und demgegenüber walaa zu zeigen, keinen der einzigen Befehle Allahs gegenüber Abstoßung und Feindseligkeit empfinden, weiter noch alles zu hassen, was Allah (swt) hasst, sowie jene, die Allah (swt) und die Gläubigen hassen. Allah sagt:
„O ihr, die ihr glaubt, nehmt euch keine Kafireen zu awliyaa’ anstelle der Gläubigen. Wollt ihr Allah offenkundige Beweise gegen euch selbst geben?“ [4: 144]
Die Muslime müssen sich klar darüber sein, dass lieben, begleiten, unterstützen, verbünden, helfen, erbauen, respektieren und befreunden Attribute sind, die gänzlich nur gegenüber den Muslimen gerichtet werden sollten und auf keinen Fall gegenüber den Kuffar, denn Allah (swt) sagt:
“Die Gläubigen sollen die Ungläubigen nicht statt der Gläubigen zu Beschützern nehmen; und wer solches tut, der findet von Allah in nichts Hilfe – außer ihr fürchtet euch vor ihnen. Und Allah warnt euch, vor Sich Selber achtlos zu sein, und zu Allah ist die Heimkehr.“ [3: 28]
Al-Muwalaat ist Pflicht zwischen den Gläubigen, da Allah (swt) die Muslime als eine einzige Bruderschaft, die sich von den Ungläubigen unterscheidet, beschrieben hat. Allah (swt) sagt:
„Die Gläubigen sind ja Brüder. So stiftet Frieden zwischen euren Brüdern und fürchtet Allah, auf dass euch Barmherzigkeit erwiesen werde“ [49: 10]
Des Weiteren warnt uns Allah (swt) vor der Gefahr, die Kuffar als Freunde oder Verbündete zu nehmen:
„O ihr, die ihr glaubt! Nehmt nicht die Juden und die Christen zu Beschützern. Sie sind einander Beschützer. Und wer sie von euch zu Beschützern nimmt, der gehört wahrlich zu ihnen. Wahrlich, Allah weist nicht dem Volk der Ungerechten den Weg.„ [5: 51-57]
Wenn wir dieses Konzept verstanden haben, wird es sich in unserem Glauben eingefleischt haben und (es) wird ein Teil unseres Lebens. Das Konzept von Al-Walaa wal-Baraa beeinflusst jeden Aspekt unseres Lebens; bei unseren Geschäften mit den Muslimen und den Kuffar; im Bezug auf die Art und Weise, was wir für sie empfinden und unsere Taten in Bezug auf sie.
Abdullah ibn Abbas (ra) sagte:
„Al Muwalaat ist die Liebe im Herzen und die totale Unterstützung durch die Glieder und der Zunge ausschließlich für den Din des Islams.“
Al-Walaa wal-Baraa bildet das Maß, auf welche wir unsere Taten stützen und ist das Fundament, durch die alle Beziehungen innerhalb der muslimischen Gemeinde geregelt und geformt sind. Die bloße Bezeugung der Shahadah (das Glaubensbekenntnis) bestätigt dieses fundamentale Konzept von al-Walaa wal-Baraa, wenn wir unseren gänzlich ausschließlichen Glaube an Allah (swt) verkünden, sowie die Ablehnung des Taghut (alles andere was neben Allah (swt) gehorcht, befolgt und gedient wird).
Die Erfüllung des Imans ist, seine Bedingungen und Voraussetzungen zu erfüllen, um wahrlich den Titel des Mu’mins (Gläubigen) zu verdienen. Die Voraussetzungen von Walaa und Baraa sind sehr wichtige Aspekte unseres Glaubens – die Negierung dessen wird die Folge haben, dass der Iman einer Person zerstört wird. Der Gesandte, Muhammad (saw), sagte:
„Der stärkste Knoten des Imans ist: zu Lieben um den Willen Allahs (swt) und zu Hassen um den Willen Allahs (swt).
Demzufolge ist es in unserer heutigen Realität, wo wir unter den Kuffar leben; wo die Regierungen der westlichen Welt ihre Kreuzzüge gegen die Muslime lanciert haben; wo Muslime verfolgt, eingesperrt und inhaftiert werden, ist es imperativisch, dass wir unser walaa und baraa aufrechterhalten.
Wir müssen verstehen, dass die Kuffar den Muslimen nie ebenbürtig sein können; auch kann es keine Art von Interreligion zwischen uns geben; auch keinen Bund oder Unterstützung für sie und ihre Sache, denn dies wird zur Vernachlässigung von al-Walaa wal-Baraa resultieren und dadurch einen Mangel im Iman einer Person, (bis zum einem gewissen Grad) dass es zur Negation seines Glaubens führt und dieser zum abtrünnigen Apostaten wird.
Wenn ein Muslim gegenüber den Kuffar Muwalaat empfindet, (so) ist es eine Sünde, aber wenn sie (Muslime) sich mit denen verbünden, so werden sie zum Murtad Kafir (abtrünnigen Apostaten, der sich selbst aus dem Islam begeben hat). Jedoch wenn sie sich (die Muslime) verbünden, um gegen die Muslime zu kämpfen, so wird er zum Murtad Harbi (ein abtrünniger Apostat, im Kriegszustand gegen die Muslime)
Wir müssen uns von den Kuffar fernhalten, von ihren Überzeugungen und Lebensweisen; wir müssen Hass gegen ihr Ungehorsam empfinden und den Hass für ihre Taten tragen. Wir dürfen weder Zuneigung gegenüber den Kuffar zeigen, noch uns mit ihnen befreunden oder verbünden; wir dürfen sie nicht als etwas Besseres als die Gläubigen betrachten und sie auch nicht besser als die Gläubigen behandeln.
Vielmehr müssen wir Zuneigung gegenüber den Muslime zeigen, sich mit ihnen verbünden und unterstützen und sie lieben für das was sie glauben und für das Gute, was sie tun. Wir müssen mit Muslime verkehren und unter ihnen leben; wir müssen sie respektieren und zugleich hass für jede Sünde, die sie begehen empfinden, oder jegliches Abweichen, das sie (mit sich) tragen, (vom wahren Weg), der Sunnah, dem Quran und dem Verständnis der Salaf us-Salih.
Wir müssen verstehen, dass Liebe und Hass ausschließlich um den Willen Allahs (swt) geschehen muss: all das zu Lieben was Allah (swt) liebt und all das zu Hassen und zu verabscheuen, was Allah (swt) verabscheut und hasst. So stellt dies die höchste Form der Liebe und des Hasses dar- über allen anderen Formen der Liebe und des Hasses – zu lieben was Allah (swt) liebt und zu hassen was Allah (swt) hasst.
„Jener, der die folgenden Charakteristiken besitzt, wird die Süße des Glaubens haben; jener, dem Allah (swt) und Sein Gesandter (saws) lieber sind als alles andere, jener, der liebt und rein nur um den Willen Allahs (swt) liebt und der es hasst zum Unglaube zurückzukehren, wie er es hasst ins Feuer geworfen zu werden.“ (Al Bukhari, Muslim)
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